Togo soll frei sein

 

In Reutlingen lebende Flüchtlinge fordern das Ende einer Familiendiktatur

Togo, von 1884 bis 1916 eine deutsche Kolonie in Westafrika und hierzulande nicht unbedingt als ein Staat bekannt, aus dem Menschen nach Europa fliehen, ist ein Land, das seit 50 Jahren von einer tyrannischen Familie unterdrückt wird. Am 9. Dezember 2017 protestierten Togolesen auf dem Reutlinger Listplatz gegen die Familiendiktatur der Gnassingbé.
Das Volk will sich die Tyrannei nicht länger gefallen lassen. Geführt von einer Koalition der Oppositionsparteien werden Demonstrationen organisiert, um die soziale Ungerechtigkeit in dem kleinen Land anzuprangern. Dass gerade jetzt immer mehr Flüchtlinge aus Togo in Europa ankommen, hängt mit den jüngsten Festnahmen von Regimekritikern zusammen sowie den vielen Verletzten und Toten, die es seit 19. August 2017 bei Demonstrationen gegeben hat. Die Diktatur zwingt immer mehr Leute dazu, ihr Heimatland zu verlassen und unter lebensgefährlichen Bedingungen die Flucht zu anzutreten.

3.12.2017: Demonstration der togolesischen Diaspora und deren Freunde in Reutlingen, Foto: Bangemann

Unter der Maxime „Für ein freies Togo“ fordert die Opposition die Rückkehr zur Verfassung vom Oktober 1992 für die 98 % der Bevölkerung gestimmt hatten (Artikel 59 beschränkte die Wiederwahl des Präsidenten auf 2 Mandate). Sie fordert ein Ende der Menschenrechtsverletzungen, Rechtssicherheit und die Verbesserung der Lebensbedingungen. Es muss Schluss sein mit Unrecht und damit, dass sich eine Familie auf Kosten des Volkes bereichert.
Togo liegt am Atlantik zwischen Ghana im Westen, Benin im Osten und Burkina Faso im Norden. Von 1884 bis 1914 war Togo eine deutsche Kolonie. Danach wurde es aufgeteilt in einen Teil, das zum heutigen Ghana gehört, und eine französische Kolonie. Am 27. April 1960 wurde von Sylvanus Epiphanio Olympio die Unabhängigkeit des Staates Togo ausgerufen. Olympio war der erste demokratisch gewählte Präsident des Landes. Er sorgte sich um das Wohlergehen der Bevölkerung, und er begann an der Entwicklung des Landes zu arbeiten. Am 13. Januar 1963 wurde er ermordet. Eyadéma Gnassingbé, der 1967 an die Macht kam, herrschte bis zu seinem Tod im Februar 2005, mit eiserner Hand. Die Armee setzte 2005 seinen Sohn Faure als Nachfolger ein.

Beitrag von Kossi Matekli*
*) Der Name wurde geändert

Print Friendly, PDF & Email

Dieser Beitrag ist verfügbar in: deDeutsch faفارسی (Persisch) frFrançais (Französisch)