Bericht über mein Leben in Deutschland

Waael mit seiner „neuen Familie“ Foto: privat

Ich schreibe diese Geschichte, weil ich erzählen möchte, wie es mir in Deutschland ergeht.

Ich heiße Wael Alsade, bin 24 Jahre alt, und lebe alleine seit zwei Jahren in Deutschland. Meine Familie kommt aus Darer in Syrien. Ich bin in Damaskus geboren und habe auch in Damaskus gelebt.
Die Deutsche Sprache ist für uns sehr schwierig, aber ich kann es schaffen, weil ich den Willen dazu habe.

Zuerst war ich in Hayingen. Dort habe ich 10 Monate gewohnt, dort aber keinen Integrationskurs besucht. Wir hatten dort die Möglichkeit, über einen Monat jeden Tag vier Stunden Deutsch zu lernen, deswegen konnte ich schon in Hayingen ein wenig sprechen. Ich erlebte, was man Menschlichkeit nennt. Jetzt bin ich in Pliezhausen, wo ich sehr gerne bin, die Menschen respektiere und viele Leute mag.
Ich lebe hier wie in meiner Heimat.
Es gibt in Deutschland Menschen, die fragen sich: Warum wir überhaupt in Deutschland sind. Manche haben Angst vor uns, weil sie uns nicht kennen und wir fremd für sie sind. Sie denken, dass wir ihnen das Geld wegnehmen. Sie denken auch: „Warum müssen wir die Sprachkurse, die Fahrkarten usw. für uns bezahlen?“
Manche sagen: „Geht doch zurück in euer Land.“

Ich bin nach Deutschland gekommen, weil in Syrien Krieg ist. Dort gibt es für uns keine Sicherheit und keine Menschenrechte. Ich wollte nicht zum Militär gehen, weil ich kein Täter und auch kein Opfer sein wollte. Ich wollte auch nicht mehr in Syrien bleiben und dort auf den Tod zu warten.

Im Moment bin ich auf Geld angewiesen, das ich von Deutschland bekomme, um zu lernen, zu wohnen und zu essen. Aber in einigen Jahren werde ich keines mehr brauchen. Ich werde hoffentlich eine Arbeit finden und werde Steuern bezahlen und selbst für mich sorgen.

Vielleicht bleibe ich über 30 Jahre hier, dann werde ich mehr Geld bezahlen als ich von ihnen erhalten habe. Hier in Deutschland bekommen wir keine Arbeit ohne Sprachkenntnisse. Deswegen lernen wir die deutsche Sprache, und das braucht seine Zeit. Wenn wir ohne Sprachkenntnisse arbeiten dürften, würden wir sofort gerne arbeiten. Das geht in Deutschland aber nicht. Die meisten Geflüchteten sind wirklich sehr aktiv und mögen die Arbeit und das Lernen.

Für uns ist es schwer, dass wir ohne unsere Familien hier sind. Wir denken immer an sie, trotzdem lernen wir weiter. Als ich in Syrien 16 Jahre alt war, bin ich jeden Tag zur Arbeit und zur Schule gegangen und ich habe beides geschafft. Meine Ausbildung habe ich als Buchhalter gemacht und ich war überglücklich, dass ich es geschafft hatte. Zur gleichen Zeit habe ich mit meinem Bruder, der Automechatroniker ist, gearbeitet und dabei auch in diesem Beruf einiges gelernt. Und darauf bin ich auch ein bisschen stolz.

Seit zwei Jahren bin ich in Deutschland und habe viele liebe Menschen kennengelernt.
Es gibt jedoch leider Leute, die uns gegenüber Vorurteile haben und denken, dass wir gefährlich sind. Das passiert vor allem, weil wir uns nicht kennen. Das muss sich ändern.
Es gibt einige Flüchtlinge, die können die deutsche Sprache nicht lernen, weil sie viele Probleme haben. Sie machen sich viele Sorgen um ihre Familie, und ob sie in Deutschland bleiben können. Ihr Kopf ist so voll, dass sie nichts Neues aufnehmen können. Mir ging es auch so, als ich in Hayingen war. Es dauerte fast zehn Monate, bis mir klar wurde, dass ich die Probleme vergessen muss, um hier in Deutschland leben zu können. Gott sei Dank, habe ich es geschafft, und kann jetzt hier ein neues Leben beginnen.

Unsere Sorgen können wir nicht vergessen. Aber wir können die Probleme auch nicht lösen. Deshalb müssen wir immer wieder versuchen, uns auf das Leben einzulassen. Viele Leute haben seit einem oder mehreren Jahren ihre Familie nicht mehr gesehen. Sie sagen immer, wie können wir lernen ohne zu wissen, ob unsere Familie überhaupt nach Deutschland kommen kann.
Ein weiterer Grund, dass wir nur schwer lernen können ist, dass wir zu wenig Kontakt zu Deutschen haben. Viele wünschen sich, dass sie hier in Pliezhausen ein Zimmer oder eine Wohnung finden, weil wir hier mindestens drei Jahre bleiben müssen. Das heißt, wir sind in Deutschland aber ohne Kontakt zu Deutschen ist das schwierig.
Ein weiteres Probleme ist es, dass viele hier von Flüchtlingen allgemein sprechen und nicht von uns als einzelner Person. Wenn eine Person einen Fehler macht oder sich schlecht verhält, darf man das nicht auf andere übertragen.

Ich wohne jetzt bei einer deutschen Familie – mit Rose und Maximilian. Wir haben viel Spaß miteinander. Sie sind sehr nett und freundlich und ich bin überglücklich, dass ich bei ihnen wohnen kann. Ich fühle mich bei ihnen wie bei meiner Familie. Ich wünsche mir vom ganzem Herzen, dass die Deutschen und wir immer in Sicherheit, Frieden und Freiheit leben können.
Ich bedanke mich bei allen, die uns geholfen haben.

Ich bedanke mich auch bei Angela Merkel, weil Sie uns Hoffnung gegeben hat und nach Deutschland kommen ließ und daran geglaubt hat, dass „wir (und Deutschland) es schaffen können“. Ich wünsche allen Deutschen, dass sie ein gutes Leben haben und uns Flüchtlingen wünsche ich, dass wir in Deutschland ein neues Leben aufbauen können.

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