Mein Leben in Deutschland ist unsicher aber zurück nach Gambia ist keine Option

Der Asylbewerber Kaw Jaiteh arbeitet hart an seiner Zukunft in Deutschland.

Kaw Jaiteh, ein 22-jähriger Mann aus Gambia, hat getan, was er konnte, um sich in Deutschland zu integrieren, hat Arbeit in einer Bäckerei gefunden, den Führerschein gemacht und das Geld für ein Auto zusammengespart. Alles in Ordnung also, wäre da nicht die Unsicherheit, eines Tages abgeschoben zu werden. Denn Kaw Jaitehs Asylgesuch wurde abgelehnt.

Geboren wurde Kaw am 1. Januar 1995 in Serekunda. Dieses Datum haben ihm allerdings deutsche Behörden ausgestellt. Denn ein Dokument hatte er keines bei sich, als er vor über vier Jahren in Deutschland ankam.
Kaw wollte Geld verdienen, war aber ein Jahr ausschließlich auf Sozialhilfe angewiesen. „Ich erwarte wirklich nicht, dass man es mir einfach macht“, sagt er. Also arbeitete er bei Pro Labore als Dachdecker, wo er 1,05 Euro pro Stunde verdiente, zusätzlich zum Busticket und 80 Euro an persönlicher Unterstützung. „Insgesamt habe ich so jeden Monat 120 Euro erhalten.“

Seit Kaw Jaiteh (links) sein Auto hat, ist es einfacher nachts zur Arbeit zu kommen (Foto: Th.Bangemann).

Seit anderthalb Jahren ist Kaw in einer Mössinger Bäckerei beschäftigt. Den Job haben ihm sein Sozialarbeiter und seine Freundin vermittelt. Bei der Fahrt zur Bäckerei war er zunächst auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. „Wenn ich kurz nach Mitternacht ankam, musste ich bis 2 Uhr warten, bevor ich meine Arbeit überhaupt antreten konnte.“ Doch die Sache hat sich entspannt. Denn inzwischen besitzt Kaw den Führerschein und einen kleinen Fiat, mit dem er zur Arbeit fährt. Dafür hat er seine ganzen Ersparnisse investiert.

Gut gelaufen also, könnte man sagen, wenn ihm nicht immer noch die gefährliche Reise nach Deutschland in den Knochen stecken würde. „Dafür habe ich habe viel Geld bezahlt, und es war eine sehr beängstigende Fahrt. Niemand sagt dir, was dich auf See erwartet.“

Gerne würde er wissen, was ihn in Deutschland erwartet. „Weil mein Asylantrag abgelehnt wurde, weiß ich nicht, wie es weitergeht – ob ich abgeschoben werde oder nicht.“ Es könne lange dauern, habe sein Anwalt ihm gesagt hat, bis die Sache endgültig entschieden sei.
Kaw hat Angst, ist deprimiert und kann oft nicht schlafen. Die meisten seiner Freunde wurden nachts im Schlaf überrascht und abgeschoben, sagt er.

Gambia sei keine Lösung. „Wenn ich ausgewiesen werde, müsste ich zurück in meine alte Umgebung, um zu überleben. Dort sind immer noch die alten Cliquen an der Macht, die uns drangsaliert haben.“ In Gambia arbeitete Kaw als Lastwagenfahrer und in der Tourismusbranche, bevor ihm die Regierung Probleme machte. Als er sich bedroht fühlte, flüchtete er. Zurück will er nicht, weil auch die inzwischen neue Regierung kein Garant für ein sicheres Leben sei. Die Konflikte zwischen den Anhängern des früheren Diktators und Angehörigen anderer Volksstämme nähmen zu. Gambia sei ein Pulverfass, meint er.

Den Jugendlichen in Gambia aber gibt er den Rat, dort eine gute Ausbildung zu absolvieren, die Sprache des Landes, in das sie gehen wollen, zu lernen und möglichst eine Fertigkeit gut zu beherrschen, bevor sie Gambia verlassen.
Wenn aber ihr Leben nicht in Gefahr sei, sei es „immer noch besser, zu Hause zu bleiben“. Auch in Gambia gebe es zahlreiche Gelegenheiten für junge Leute, die etwas gelernt haben.

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