Einen Kindergartenplatz für jedes Kind!

Auch für Flüchtlingskinder gibt es eine Warteliste

Grafik: Katada Fallaha © 08/2017

Endlich bekam die Familie von Mohamad A. ein Visum und durfte nach Deutschland fliegen. Zwei Jahre hatte der Vater aus dem syrischen Homs seine drei Kinder nicht mehr gesehen und ihr Großwerden nur über sein Smartphone verfolgen können. Heba, 3 Jahre alt, Omar, 6, und Yussef, 7, kannten ihren Vater nur noch übers Internet. Erinnerungen an ihn hatten nur die beiden Älteren. Das Warten hatte ein Ende: Nach zwei Jahren waren sie wieder zusammen und konnten in ihrer Einzimmerwohnung ein gemeinsames Familienleben beginnen.

Auch bei den ehrenamtlichen Helfern aus dem Asylcafé war die Freude groß, hatten sie doch lange Zeit mitgefiebert. Nach den ersten Unterstützungsmaßnahmen ging es dann an die Alltagsbegleitung. Die beiden großen Kinder fanden schnell einen Platz in einer der internationalen Vorbereitungsklassen, die an den Reutlinger Schulen Kindern mit anderen Muttersprachen erste Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermitteln.
Mohamad und seiner Frau wurde von allen Seiten geraten, die kleine Heba in einem Kindergarten anzumelden, damit sie schnell in ein Sprachbad eintauchen und die Sprache im Spiel erlernen könne.

Mohamad ging zu einem Kindergarten in seiner Nachbarschaft.(zum Kindergarten bei ihm in der Nachbarschaft). Dort erfuhr er, er müsse seine jüngste Tochter auf dem Rathaus bei ANKER anmelden. Dies tat er zu den nächsten Sprechzeiten. Da kam das böse Erwachen. „Es gibt eine lange Warteliste“, sagte man ihm im ANKER-Büro und das Jahr 2017/18 keine Plätze mehr. Schon über 200 Kinder, auch viele aus Reutlinger Familien, stehen auf der Warteliste.
Nicht nur sie machte diese Nachricht sehr betroffen, seine Unterstützer ebenso. Eine weitere schlechte Nachricht für Heba und ihre Eltern: Wahrscheinlich haben nur die älteren Kinder im kommenden Jahr zuerst einen Anspruch auf Plätze.

Nichts ist wichtiger für eine gelingende Integration als das Erlernen der deutschen Sprache. Besonders gut gelingt dies bei Kindern im unverfänglichen Spielen und täglichen miteinander Umgehen. Klar ist, dass die Stadt nicht zaubern kann und die benötigten Kindergartenplätze seit 2015 sehr rasch gestiegen sind. Für alle wartenden Familien, Reutlinger Bürgerinnen und Bürger sowie Geflüchtete und Zugezogene, wäre jedoch mehr Transparenz wünschenswert. Die Stadt verspricht bestehende Einrichtungen auszubauen, doch leider fehlt es auch an pädagogischem Fachpersonal.

Durch den fehlenden Platz ist es nun schwierig, für die Eltern regelmäßig an dem Deutsch- und Integrationskurs teilzunehmen.

Trotzdem sollten alle Familien ihre Kinder bei ANKER auf dem Rathaus anmelden. So kann die Stadt erfahren, wie viele Plätze tatsächlich gebraucht werden.
Bis dahin werden Mohamad und seine Frau Sherin viel Zeit mit der kleinen Heba verbringen.

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